Berlin: schön morbide

Schnee in Berlin. Alles ist weiß und aufgeräumt. Vorsichtig, entschleunigt tappen die Bewohner über die breiten Gehwege entlang der Hauptstraßen. Genießen den seltenen Anblick von Schnee, der berlintypisch nicht lange währt. Das transformative, unfertige Berlin zeigt sich von der weißen Seite. Berlin konserviert das Vergangene, das Zerstörte und Morbide. Umhüllt es in Szene, Flair und Hipstertum.Altes steht neben Neuem, ensteht aus Neuem. Aus Altem wird Neues gemacht. Kneipen, in denen mit alten Öfen geheizt wird, Kunstinstallationen in alten Industriehallen, Familientreffpunkte in Arbeitervierteln der letzten Jahrhundertwende. Neue Begriffe bezeichnen Neues, das bislang Altes war: Aus Brauereien werden Biermanufakturen. Es gibt zahlreiche Brauereimanufakturen in sämtlichen Bezirken der Stadt (Berlin war von jeher trinkfroh und -fest!). Ein alkoholfreies Brauprodukt erlebt sein Revival: Fassbrause (Eine Berliner Erfindung!). Und aus Kaffee wird entkoffeinierter Espressi, Sojalatte, glutenfreier Getreidekaffee und der letzte Schrei: Filterkaffee. Da kommt eine ganze Armada von Hipstern aus dem Süden der Republik und führt ein, was die Berliner glaubten, längst überwunden zu haben. Was Hipster bereits seit Jahren wissen, fällt Gucci, Prada & Co. nun schließlich auch auf: Berlin ist arm aber sexy. Guccis Mode wird im Vergangenen präsentiert, das so nur im Berlin von heute gefunden werden kann. Wo viel rumgeschickt und geneut wird, bleibt die Frage, wie lange Berlin so bleiben kann, wie es war?

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