Stasi-Museum – Als die BRAVO noch Staatsfeind war

Geht man in den Funktionsbau der Ruschestraße am U-Bahnhof Magdalenenstraße fühlt man sich ein wenig wie in einer zu schicken Schule meiner Schulzeit. Plattenbau a la ostdeutsche Nachkriegsarchitektur, blankgeputzte Fliesen, opulente 60er Jahre Deckenleuchten. Willkommen im Ministerium für Staatssicherheit.

Die Ausstellung ist reich an Zeugnissen von Brutalität, der Systematik und Komplexität der Staatssicherheit: Kinderbücher üben den sozialistischen Geist: „Lassen Sie Ihr Kind den 7. Oktober und ähnliche Feiertage miterleben! Es ist stolz, wenn es mit Ihnen gemeinsam an solchen gesellschaftlichen Ereignissen teilnehmen darf. Außerdem lernt es seine Umwelt kennen und sammelt vielseitige Erfahrungen. “ Ich höre die strenge, leicht sächselnde Stimme  eines Walter Ulbrichts. Als wäre dies die Nationalsprache der DDR.

Wer die beinahe lebensnah wirkenden Fotos des alltäglichen Lebens in der DDR – wenn man davon absieht, dass diese von Spionen geschossen wurden – hinter sich lässt, gelangt im dritten Obergeschoss in das Chefbüro: Erich Mielkes Audienz- und Arbeitszimmer. Mit spektakulärem Ausblick auf DDR-Platte und Stasi-System, verfügte Mielke nicht nur über einen großen Schreibtisch, 3 Wahlscheibentelefone und marineblauen Sitzmöbeln, sondern auch über Schlafzimmer und einem Bad mit Wanne. Jeden Morgen brachte eine Sekretärin Mielke das Frühstück in das Arbeitszimmer, für dessen korrektes Anrichten Mielke eine Bleistiftzeichnung vorbereitet hatte.

In der obersten Etage aber verschwindet das amüsierte Lächeln über DDR-Schick. Mauer-Tote, Abhörmethoden, Fragetechniken. Kameras in Knopflöchern, Gießkannen, Briefkästen. Vieles in der Ausstellung ist bekannt und doch ist die Wirkung intensiver, wenn Gesichter und Stimmen hinzukommen. Das Stasi-Museum zeigt den tiefen Graben zwischen Macht und Bevölkerung.

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