Das Jagschloss Grunewald – ungeheuerlich

Das älteste erhaltene Herrschaftsgebäude Berlins: das Jagdschloss Grunewald. Das Schloss Zum grünen Wald, Namensgeber des umliegenden Grunewalds, wurde 1542 von Joachim II. erbaut und überdauerte bis heute, mehrmalige Umbauten und ohne größere Schäden den Zweiten Weltkrieg eingeschlossen. Doch einiges im Jagdschloss hat bis heute überdauert: schauerliches, abstruses und schockierendes:

Der Geist der Mätresse – Während eines Aufenthaltes auf Schloss Grimnitz brach der Fußboden des ersten Stockwerkes ein und riss das Kurfürstenpaar hinunter. Während Joachim II. in den Balken steckenblieb und so weitestgehend unverletzt blieb, stürzte Kurfürstin Hedwig ganz hinunter und schlitzte sich an den Jagdtrophäen der unteren Etage den Unterleib auf. Körperlich stark eingeschränkt war sie hernach nicht in der Lage Kinder zu gebären und litt zeitlebens an starken Schmerzen. Der Kurfürst nahm sich kurzerhand eine Mätresse, Anna Sydow, die ihn fortan zu öffentlichen Auftritten begleitete. Dem Sohn des Kurfürsten, Johann Georg missfiel die Liaison außerordentlich. Nach dem Tod Joachims II. ließ er Anna Sydow festnehmen und in der Wendeltreppe des westlichen Flügels des Jagdschlosses Grunewald lebendig einmauern. Und so spukt ihr Geist noch heute um Mitternacht im Jagdschloss.[1]

Die geliebte Hofdame – Um Mitternacht wird von einer weiteren weißen Frau berichtet, bei der es sich um eine der Hofdamen handelt. Die eifersüchtige Konkubine des Kurfürsts Joachim II., Anna Sydow, ließ sie im Schacht einsperren und lebendig verhungern.

Der rasselnde Kellermeister – Einmal gingen ein paar Fischer in das Jagschloss auf der Suche nach einem Quartier für die Nacht. Des nächstens wurden sie von einem Geist erschreckt, der mit schweren Schritten die hölzerne Treppe zu ihnen geschritten kam. Alle Stubentüren flogen auf und es heulte entsetzlich. Aus Schornstein und Kamin klangen schaurige Geräusche. Es heißt, es handele sich um den alten Kellermeister des Schlosses. Noch heute drehen sich die alten Bratenspieße des Küchengewölbes.

Kaiserliche Orgie – 1891 machten anonyme Briefe nebst pornografischen Darstellungen die Runde, die ein Orgien-Skandal im Umkreis des Kaisers aufdeckten. Die sogenannte Kotze-Affäre beschreibt die zahlreichen Gelage und sexuellen Orgien im Jagschloss Grunewald. In diese war u.a. auch die älteste Schwester des Kaisers verwickelt sowie mehrere hochrangige deutscher Adelshäuser.

Nicht nur wegen der Legenden lohnt ein Ausflug zum Jagdschloss Grunewald. Es beherbergt auch eine der umfangreichsten Cranach-Ausstellungen.

 

[1] Tatsächlich wurde Anna Sydow von Johann Georg in den Kerker der Zitadelle Spandau gesperrt. Doch selbst der letzte Kaiser, Wilhelm II. zweifelte nicht an der Geistergeschichte und verbot, den Treppenturm öffnen zu lassen.

 

Fotogalerie Jagdschloss Grunewald

 

 

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