Hey, ich bin Zhang Shanshan, Du kannst mich Saskia nennen

Chinesische Namen: wahrhaft Chinesisch. Doch die chinesische Namenslogik ist der westlichen nicht ganz unähnlich. Ein Familienname – im Chinesischen in der Regel einsilbig – und ein von den Eltern gewählter Vorname – meist zweisilbig.

Dieser von den Eltern gegebene Vorname, auch Milchname genannt, kann im Erwachsenenalter abgelegt und gegen einen selbstgewählten Namen gewechselt werden. So wurde beispielsweise Konfuzius als Kong Qiu geboren. Die Bedeutung des Vornamens spielt in der chinesischen Kultur eine weit größere Rolle und ergibt sich aus den Schriftzeichen und nicht schon aus der Aussprache. Die gesprochene chinesische Sprache kennt vier verschiedene Töne. So kann eine Silbe in vier möglichen Tonfällen ausgesprochen werden und doch mehr als nur vier Bedeutung haben.

Damit nun keine peinlichen Situationen entstehen, in denen Langnasen chinesische Namen derart anders aussprechen, dass komplett neue, gar beleidigende Bedeutungen ausgerufen werden, geben sich viele Chinesen westliche Namen. Das Repertoire reicht von „normalen“ westlichen Vornamen wie Kim, Steve, Jacky, Frieda oder Jason bis zu außergewöhnlichen Namen wie Sniper, Max-Liron, Homer, Mars, Smile oder Destiny.

Für Chinesen setzt sich die Auswahl des Namens gemäß seiner Bedeutung fort: Ein chinesisches Mädchen, deren Hobby Tischtennis ist und sie dabei schnell wieder Wind spielt, heißt Windy. Eine andere Chinesin ist überzeugt: die 7 ist ihre persönliche Glücksnummer. Sie heißt Seven. Ein Reiseveranstalter nennt sich Peter Pan; ein Fitnesstrainer Winner. Ein chinesischer Ingenieur im Internet will Creation gerufen werden. Ein in Deutschland lebender chinesischer Obstfanatiker nennt sich Kiwi. Er selbst glaubt, der Frucht mit der hässlichen äußeren Hülle, hinter der sich leckeres, saftiges Grün verbirgt, ähnlich zu sein. Eine weitere Chinesin denkt bewusst an den gelben Bären, wenn sie sich Winnie nennt. Sie findet ihn niedlich und will wohl auch selbst so auf andere wirken.

Junge Chinesen wollen hipp und individuell sein. So wird aus Li Jiarui Cinderella, Rainy Li, oder Nova. Meng Zihao, ein junger Shanghaier Informatiker nennt sich E-King. Er ist der König des Netzes. Zhang Haolie, ein Pekinger Philosophiestudent, nennt sich Sokrates. Liu Zimen heißt im Westen Hero. Helden wollen sie sein, die chinesischen Koalas, Juicys, Rainbows, Bolivias und Forrests dieser Welt. Westliche Namen findet man bei gut gebildeten Chinesen. Einen Wanderarbeiter nach seinem westlichen Namen zu fragen, würde mit verständnislosem Kopfschütteln beantwortet werden.

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