Der Staat verordnet Ferien

Vergangene Woche war Goldene Woche. Golden deshalb, weil nationale Ferien sind und ganz China frei hat. Die Ferien sind staatlich angeordnet. Autobahnen können in der Woche kostenlos genutzt werden, Benzinpreise werden staatlich gesenkt.

Paare entscheiden sich in der Goldenen Woche zu heiraten, weil sie ein längeres Zusammensein mit der Familie ermöglicht. In dieser Woche kann Hochzeit und Urlaub in einem Stück organisiert werden. Garantiert haben alle Gäste Urlaub und können an der Hochzeit teilnehmen. Leser der chinesischen Internetzeitung China News Service schreiben, dass sie auf bis zu sechs Hochzeiten an einem Tag waren.

Auf dem Tiananmen Platz in Peking versammelten sich dieses Jahr 110.000 Chinesen, um das traditionelle Hissen der Flagge zu beobachten. Innerhalb von wenigen Stunden hinterließen die Besucher auf dem Platz fünf Tonnen Müll.

98.000 Chinesen besuchten an einem Tag den Sommerpalast in Peking und überforderten die Parkverwaltung. Besuchern mit Jahrestickets wurde der Eintritt verwehrt, um den übrigen Massen Herr zu werden.

Zwölf Stunden Autofahrt benötigte man in der Woche für die 540 km lange Strecke Harbin – Shenyang. Auf der Autobahn nach Huangshan bildete sich ein Stau, der sich auch nach 3 Stunden nicht aufgelöst hatte. Menschen liefen über die Autobahn, Essensstände wurden organisiert, Sport wurde betrieben.

Doch auch, wer zuhause blieb, sah sich Menschenmassen konfrontiert. Selbst in größeren Städten waren Kinosäle für die gesamte Goldene Woche ausverkauft.

Golden ist die Woche, weil es Herbstferien sind und hierzulande der Herbst erst rot und dann gelb ist. Er ist bunt und schön und ein Ausflug in die Natur des Landes lohnen sich. Einer der bekanntesten Nationalparks ist Jiuzhaigou, das Tal der neun Dörfer. Er ist Chinas erstes und somit ältestes Naturschutzgebiet. Legenden und Märchen gibt es über ihn, alle Farben lassen sich in ihm finden: sattes Grün der Berge, türkisblaue Seen, karminrote und ockerfarbene Herbstblätter. Panda, Affen, seltene Eulenarten. Der Park strotzt vor Kunstwerken der Schöpfung und gehört seit 1992 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Die Berge inspirierten die Regisseure für den Film Avatar (der Filmdreh allerdings fand in Zhangjiajie statt). Dieses Jahr drangen an einem einzigen Tag 40.000 Menschen durch einen Parkeingang in die Naturlandschaft. Zu viele. Tausende Chinesen blieben ohne Möglichkeit auf Rückfahrt. 400 Busse waren für den Transport der Massen eingesetzt worden und konnten den Andrang nicht befriedigen.

Der Westlake in Zhejiang verzeichnete Besucherrekorde. So strömten dieses Jahr an einem einzigen Tag eine Million Besucher an die Ufer des Sees. Sie hinterließen nicht nur Wut über ausgebuchte Hotels und überfüllte Restaurants, sondern auch 40 Tonnen Müll.

Der Weg hoch in die Gelben Berge einen Tag vor Beginn der nationalen Ferien war menschenleer. Pünktlich zum Start der Ferienwoche kamen 55.000 Menschen in die Berge. Hotels waren heillos überbucht. Zelte wurden in 4 Sterne Hotels aufgeschlagen und die Speisesäle mit Matratzen ausgelegt. Der Weg von den Gelben Bergen runter bedeutete sieben Stunden in einer Schlange anstehen. In der Schlange eine deutsche Touristin, die die Aussicht nicht mehr genießen konnte.

 

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