Wie man Abu Dhabi zu Fuß erkundet: gar nicht

Weite Wege schafft man nicht ohne Pause. Wer sehr weit will, macht Zwischenstopps auf Flughäfen. Ich wurde also Transittourist auf dem Zwischenstoppflughafen in Abu Dhabi. Der Zwischenstopp dauerte einen Tag. Ein neugieriger Mensch nutzt diesen Tag und begrüßt das Abenteuer. Ich begrüße das Abenteuer zu Fuß und erkunde laufend. Ich laufe gerne. So habe ich also mein Handgepäck und eine Karte von Abu Dhabi genommen und bin in Shirt, schwarzer Jeans und Boots losgelaufen.

Ich bin genau Hundert Meter gekommen. Es war 9 Uhr morgens und es war mir zu heiß. Ich habe den öffentlichen Bus genommen. Mein Bus endete bei der Abu Dhabi Mall. Auf meinem Plan muss man dann nur noch die Straße hochlaufen, sich leicht links halten und schon ist man am Meer. Dort sind der Souq, Strand, Aussichtsplattformen und dort ist auch der Weg zu den Palästen. Ich habe 200 Meter gebraucht, um mich für ein Taxi zu entscheiden. Der Souq sei noch nicht offen, sagte mir der Taxifahrer. Es ging an den Strand. Ein Kaltgetränk schlürfen und den Meereswind um die Nase wehen lassen, war mein Plan. Der Strand war leider abgesperrt. Nur Bares hätte die Schranke für mich geöffnet. Kaltgetränke gab es nicht. Ich bin die segelüberspannte Promenade Richtung Paläste gelaufen. Es wehte kein Wind. Keine Brise. Kein Lüftchen. Kein Hauch. Nach 100 Metern war ich nassgeschwitzt. Nach 200 Metern der Ohnmacht nahe. Nach 250 Metern kam eine Tankstelle. Nur mit Mühe schleppte ich mich über die Schwelle. Ich bestellte einen frischgemachten Fruchtsaft und verweilte. Es war eine lange Weile. Ich kam in dieser Zeit auf den Grund meiner Misere: Boots und schwarze Jeans bei gefühlten 90 Grad. Mein Plan war geboren: Shopping per Taxi. Ich lauerte auf eines, das zum Tanken dicht an die Tankstelle kam. Laufen musste auf ein Minimum beschränkt werden. Das Taxi fuhr mich zur Marina Mall. Gegenüber liegt der Hafen für Sportyachten. In türkisblauem Wasser, an weißem Sandstrand ist nichts zu sehen von dem Abu Dhabi der Beduinen. Hier platscht klares Wasser an Vermögen. In der Mall gab es viel Luxus. Und es gab Röcke. Mit Strass und ohne. In blau, grün, schwarz, orange, pink… Ich habe mich für den kürzesten Rock entschieden. Er misst anderthalb Meter. Länge. Ich wurde eins mit der weiblichen Masse. Die meisten Frauen in Abu Dhabi laufen in schwarzen langen Gewändern. Männer bevorzugen das lange, weiße Kleid.

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Beim Präsidentenpalast hat man mir keinen Einlass gewährt. Die Tore des Emirates Palace aber standen mir offen. Das Emirates Palace ist ein Hotel. Aber eigentlich doch mehr ein Palast. Die Böden sind aus Marmor. Die Treppengeländer aus Tropenholz und Marmor. Die Wände sind aus Marmor. Aber nicht komplett. Zu großen Teilen sind sie auch aus Blattgold und mit gigantischen Teppichen behangen. Auf diesen wird natürlich der Emir Abu Dhabis dargestellt: Er jagt gerne. Und er mag Falken. Die Decken sind nicht aus Marmor. Das wäre wohl zu schwer. Dann doch besser die leichte  Variante: Blattgold. Und zwar komplett. In die Türgriffe sind Diamanten eingearbeitet. Aber auch Gold. In den langen Gängen mit Spitzbogenfenstern sind Gegenstände antiker Kulturen ausgestellt. Die Gänge winden sich um Innenhöfe aus Marmor, führen zu Terrassen mit Meeresblick. Ob man ein Zimmer mietet oder eine ganze Suite, in jedem Fall gibt es immer einen persönlichen Buttler. Irgendwann ist alles gesehen.

Ich bin wieder mit dem Bus gefahren. Der Weg zur Scheich-Zayid-Moschee war lang und ich müde. 300 Meter musste ich zur marmornen Moschee laufen. Ich hab es nicht geschafft. Das Taxi hat mich zum Flughafen gebracht.

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